Wilhelm Ganzhorn und seine Lebens-Stationen:

 

Neuenbürg und Straubenhardt

zu Gast in Bad Cannstatt

 

Samstag, 14. Juni 2008: Aktive Teilnahme am dortigen traditionellen Erbsenbrunnenfest / Gedenken und Kranzniederlegung am Grab des Dichters vom bekanntesten deutschen Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde...“

 

Aus Wilhelm Ganzhorn’s Feder stammt ein 13 Verse umfassendes Gedicht mit dem Titel „Das stille Tal“. Er schrieb es in der Zeit zwischen 1845 und 1855, als er in Neuenbürg zweiter Amtsrichter und Gerichtsaktuar war sowie in Conweiler seine – damals 17 Jahre alte – Frau Luise Alber (1837 geboren) kennen lernte und später in der Feldrennacher Kirche heiratete. Das zwischen den beiden heutigen Straubenhardter Teilgemeinden gelegene stille Tal muss ihn zu diesem Gedicht inspiriert haben. Doch daraus wurde mehr: Aus diesem Gedicht ging nämlich das inzwischen beliebteste deutsche Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde...“ hervor, das in der ganzen Welt gerne gesungen wird. Die Gemeinde Straubenhardt ehrte Wilhelm Ganzhorn (1818 in Böblingen geboren) damit, dass sie dem Schulzentrum seinen Namen gab und Neuenbürg verschaffte ihm bleibendes Erinnern, indem das von ihm stammende Volkslied ein wichtiger Teil im Schloss-Museum geworden ist.

 

Zehn Jahre währte sein berufliches Tun und Wirken in der damaligen Oberamtsstadt Neuenbürg und in ihrem Umland, dann wechselte er beruflich nach Neckarsulm und an andere Wirkungsstätten, bis er letztendlich in Bad Cannstatt seine Heimat fand. Es war seine letzte Heimat, denn dort starb der Oberamtsrichter 1880 nach einer kurzen, schweren Krankheit im Alter von 62 Jahren und dort fand er auch – ebenso wie seine 1909 nach 28 Witwenjahren verstorbene Frau Luise – die letzte Ruhestätte. Als Dichter des bekanntesten deutschen Volksliedes ist er dort zwar bei heimatgeschichtlich und volksmusikalisch Interessierten unvergessen; in der allgemeinen Bevölkerung aber kaum bekannt.

 

Das kann sich nun ändern. Auf eine ganz besondere Art sogar. Durch das traditionsreiche „Erbsenbrunnenfest“.

 

Kontakte nach Cannstatt

Aus Anlass einer Ganzhorn-Ausstellung in Bad Cannstatt im Jahre 2005, an der Bürgermeister Willi Rutschmann und Hubert Mahle als Repräsentanten der Gemeinde Straubenhardt und Schloss-Museumsleiterin Elke Osterloh als Vertreterin der Stadt teilnahmen, kam es zu ersten intensiven, diesbezüglichen Kontakten nach Bad Cannstatt. Im September vergangenen Jahres unternahm dann der Cannstatter Volksfestverein mit seiner Jugend einen Tagesausflug nach Neuenbürg zum Besucherbergwerk „Frischglück“ und zum Schlossmuseum. Mit dabei waren der „Cannstatter Büttel“, Wolfgang Pfeffer und dessen Frau, die „Bütteline“, sowie weitere Vorstandsmitglieder des Vereins. Schon bald kam das Gespräch auch auf Wilhelm Ganzhorn, der in diesem bekannten Stuttgarter Stadtteil nicht vergessen werden soll. Im Verlauf des Gesprächs kam der Gedanke auf, einmal gemeinsam – nämlich Bad Cannstatt, Neuenbürg und Straubenhardt – eine Veranstaltung zu organisieren. Vom Volksfestverein kam darauf der Vorschlag, das jährliche „Erbsenbrunnenfest“ in der Cannstatter Ortsmitte zum Anlass zu nehmen.

 

Das traditionsreiche Fest findet dieses Jahr am

 

Samstag, 14. Juni 2008,

 

statt. Seinen Höhepunkt hat es in den Nachmittagsstunden, in denen der Cannstatter Marktplatz und die Marktstraße bei annehmbaren Festwetter sprichwörtlich übervölkert sind. Das Angebot, dass sich Straubenhardt und Neuenbürg während dieses Traditionsfestes durch die Mitwirkung von Vereinen auf besondere Art präsentieren können, gab den Anlass, zu prüfen, ob dieses Vorhaben realisierbar ist. Deshalb fand bereits vor Weihnachten im Neuenbürger Schloss ein Gespräch zwischen Jürgen Härter vom städtischen Verkehrs- und Kulturamt sowie Museumsleiterin Elke Osterloh mit dem Straubenhardter Hauptamtsleiter Markus Herrmann und dessen Vorgänger, Hubert Mahle, statt. Man war sich schnell einig, dieses Angebot aus Bad Cannstatt anzunehmen und in jeder Gemeinde kulturtreibende Vereine bezüglich einer Mitwirkung anzusprechen.

 

Der „Sängerbund“ Arnbach und die „Frischglück“-ARGE Neuenbürger Bergbau und die Schlossverwaltung sagten spontan zu, in Bad Cannstatt entsprechende Beiträge zu bieten. Aber auch der Musikverein „Lyra“ Conweiler sagte gerne seine aktive Teilnahme zu.

 

Vorbereitendes Gespräch

Nun fand in der altbekannten Cannstatter Weinstube Zaiß vorige Woche ein weiteres vorbereitendes Gespräch statt. Die beiden Bürgermeister Willi Rutschmann (Straubenhardt) und Horst Martin (Neuenbürg) ließen es sich nicht nehmen, direkt Kontakt mit dem Cannstatter „Bürgermeister“, Bezirksvorsteher Thomas Jacob, aufzunehmen. Weitere Gesprächspartner waren: Jürgen Härter (Verkehrs- und Kulturamt) sowie Elke Osterloh (Schlossmuseum) aus Neuenbürg; Hubert Mahle (Hauptamtsleiter i. R.) aus Straubenhardt; Wolfgang Pfeffer und Frau vom Cannstatter Volksfestverein; Gast- und Festwirt Dieter Zaiß; der Vorsitzende des dortigen Handels- und Gewerbevereins, Dr. Andrew M. Readwin; aber auch der Vorsitzende des Vereins „Die Altstadt Bad Cannstatt“, Dirk Strohm, teil.

 

Erwähnenswert ist, dass Wolfgang Pfeffer, der „Cannstatter Büttel“, mit seiner „Bütteline“ im September 2006 an der offiziellen Einweihung des Wilhelm-Ganzhorn-Weges zugegen war und zum Abschluss im Neuenbürger Schlossgarten für humorige und gesangliche Unterhaltung sorgte. Man erinnert sich gerne daran.

 

Sehr erfreulich ist, dass der Ur-Ur-Enkel des Volkslieddichters Wilhelm Ganzhorn, nämlich Dr. Jürg Arnold aus Ostfildern, ebenfalls an diesem Gespräch teilnahm und seine aktive Unterstützung bekundet hat.

 

Es soll – darin war man sich einig – während des Erbsenbrunnenfestes kein umfassendes, festgefügtes Programm geben, sondern einen individuellen Ablauf, welcher der Gemütlichkeit und vielen persönlichen Gesprächen mit Besuchern dieses Traditionsfestes breiten Raum lassen wird. Zunächst wird um 13.00 Uhr auf dem Bad Cannstatter Friedhof, am Grab von Wilhelm Ganzhorn und seiner Frau Luise, eine kleine Gedenkveranstaltung mit dem Singen des Liedes „Im schönsten Wiesengrunde...“ sowie einer Kranzniederlegung durch die Bürgermeister der „Ganzhorn-Gemeinden“ stattfinden. Danach werden die Gäste aus Straubenhardt und Neuenbürg – angeführt von der Musikkapelle aus Conweiler; dem Männerchor aus Arnbach zusammen – zusammen mit Vertretern der „Frischglück“-ARGE Neuenbürger Bergbau und des Förderkreises Schloss auf dem Cannstatter Marktplatz „einmarschieren“. Sie werden die Besucher – erfahrungsgemäß sind es viele – mit Neuenbürg und Straubenhardt bekannt machen und informativ, musikalisch sowie gesanglich einiges bieten.

 

 

Positive Werbung

Der Stadt Neuenbürg wie der Gemeinde Straubenhardt bietet sich somit eine gute Möglichkeit, sich in der Landeshauptstadt auf besondere Art und Weise vorzustellen und auf die touristischen Einrichtungen, insbesondere auch auf den gemeinsam geschaffenen Wilhelm-Ganzhorn-Wanderweg aufmerksam zu machen. Dieser ausgeschilderte, gut begehbare Weg vom schönsten Wiesengrund bei Conweiler bis zum Neuenbürger Schloss entspricht ungefähr der „Route“, die Wilhelm Ganzhorn dereinst vom Amtssitz Neuenbürg zu seiner jungen Geliebten Luise im Gasthaus „Rössle“ in Conweiler oder während seiner offiziellen Amtsgänge in benachbarte Gemeinden zu Fuß bewältigen musste.

 

Die Cannstatter Festveranstalter würden sich natürlich freuen, wenn auch Einwohner beider Kommunen am Samstag, 14. Juni dieses Jahres, dem dortigen Erbsenbrunnenfest einen Besuch abstatten würden. Mit dem Zug ist der größte Stadtbezirk von Stuttgart gut zu erreichen.

 

Übrigens: Den Erbsenbrunnen auf dem Cannstatter Marktplatz ziert ein in Stein gehauener „nackter holder Knabe“. Und dafür stand damals, als der Brunnen geschaffen wurde, der spätere Bundespräsident Prof. Dr. Richard von Weizsäcker (1920 in Stuttgart geboren) dem Bildhauer Modell.

(Jürgen Härter)

 

Bildunterschrift.

 

Bild 1:

Portrait des Dichters Wilhelm Ganzhorn, der während seiner Zeit als 2. Amtsrichter und Aktuar in Neuenbürg (1845 bis 1855) das Gedicht „Das stille Tal“ mit 13 Versen geschrieben hat, aus dem dann das weltbekannt gewordene und beliebteste deutsche Volkslied, „Im schönsten Wiesengrunde...“ wurde.

 

Bild 2:

Treffen am Erbsenbrunnen auf dem Bad Cannstatter Marktplatz. Unser Bild zeigt die Bürgermeister Horst Martin aus Neuenbürg (rechts) und Willi Rutschmann aus Straubenhardt (links) sowie Cannstatts Bezirksvorsteher Thomas Jacob (2. von links) und Ganzhorn-Ur-Ur-Enkel Dr. Jürg Arnold (2. von rechts).

 

Bild 3:

Der Cannstatter Büttel (Wolfgang Pfeffer) und seine Bütteline, setzen sich seit ihrem Schloss- und Bergwerksbesuch vergangenes Jahr in Neuenbürg für eine Beteiligung Neuenbürgs und Straubenhardts am traditionellen Erbsenbrunnenfest in Bad Cannstatt ein (am 14. Juni 2008).

 

Bild 4:

Das Grab von Wilhelm Ganzhorn im Cannstatter Friedhof. Dort wird am 14. Juni eine kleine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung stattfinden. Seine Frau Luise geb. Alber (eine Gastwirtstochter aus Conweiler) verstarb nach 28 Witwen-Jahren 1909 ebenfalls in Cannstatt.