Waldrennach – eine Höheninsel


 

Wie eine Insel im Wald auf dem Bergrücken von Enz- und Grösseltal liegt der ca. 600 Metern hoch gelegene Ort Waldrennach. Das Wahrzeichen des Ortes ist ein weithin sichtbarer Wasserturm, in dessen unmittelbarer Nähe sich ein Wassertretbecken befindet. Der Gasthof „Rössle“ mit Fleisch und Wurst aus eigener Schlachterei befindet sich im Zentrum des Ortes und ist ein beliebtes Ziel von Wanderern und Ausflugsgästen.

 

Die ersten Siedler waren wohl die Kelten, die südöstlich des Ortes im Gewann Schnaizteich Eisen gruben und verhütteten. Von einer Siedlung fehlt jedoch noch jede Spur. Eine zweite Siedlung entstand im 12. Jahrhundert im Rahmen der Kolonisierung des Nordschwarzwaldes. Im Rahmen des von Neuenbürg ausgehenden Waldgangs wurden Engelsbrand, Grunbach, Salmbach, Langenbrand und Waldrennach mit Siedlern besetzt. Bei diesen Neugründungen wurde den Land suchenden Menschen entlang einer Straße ein Platz zur Errichtung der nötigen Gebäude zugewiesen. Daran schloss sich ein breiter Streifen Land an, der auch einen Teil Wald mit einbezog. Diese Einheit bezeichnete man als Hufe, daher der Ausdruck „Waldhufendorf“. In Waldrennach ist sie zum Teil verändert. Geht man aber aufmerksam durch den Wald, nimmt man an einigen Stellen noch die alten Steinriegel wahr, die die dorfnahen Felder vor Wildtieren schützten.

 

Waldrennach war schon immer kirchliches Filial von Neuenbürg, d.h. auch die Toten mussten bis zur Anlage eines eigenen Friedhofs 1840 auf den Neuenbürger Kirchhof bestattet werden. Die Waldrennacher gehörten „tot und lebendig“ nach Neuenbürg, wie es in einer Pfarrbeschreibung hieß.

 

In den Kriegen erlebte Waldrennach schlimme Zeiten. 1634 brannten bayrische Truppen den Ort ab, um für ihre Besetzung des Schlosses „eine Helle“ zu haben. Mühsam erholte sich das Dorf wieder, bis 1692 mit dem Einfall französischer Truppen das nächste Unglück über sie herein brach. Der zweite Weltkrieg hinterließ schreckliche Erinnerungen, als marokkanische Soldaten etliche Frauen vergewaltigten.

 

Die Dorfbewohner konnte sich schon im 17. Jahrhundert nicht mehr allein von der Landwirtschaft ernähren. Als Flößer, Handwerker, Taglöhner, Waldhauer musste ein Haupt- oder Zusatzverdienst erarbeitet werden. Neben den Waldgewerben wie Köhlerei, Holzhändler, Pottaschesieder finden sich seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auch Arbeitskräfte, die für die Calwer Zeughandels-Compagnie Leinen webten. Die letzten Webstühle verschwanden erst vor wenigen Jahren. Viele Handwerker gingen auf „die Stör“, d.h. sie lebten für die Zeit ihrer Arbeit bei ihren Auftraggebern. Vor allem waren dies Näherinnen, Maler jeder Art, Schuhmacher, Kübler und Bauhandwerker.

 

Wie in vielen Schwarzwaldorten hielt man in Waldrennach noch bis in das vorletzte Jahrhundert an dem „Brennen der Felder“ fest: Sinn des Brennens war das Düngen. Solange die Tiere auf die Waldweide getrieben und nicht im Stall gefüttert wurden, stand für die Felder nur wenig Dünger zur Verfügung. Künstlichen Dünger kannte man noch nicht. Die Äcker wurden deshalb, damit der Boden sich „ausruhen“ konnte, brach liegen gelassen. Die sich auf der Brache ansiedelnden Pflanzen ließ man eine Zeitlang wachsen und brach die Grasäcker dann mit dem Pflug um. Die Schollen wurden getrocknet, mit Reisigbüschel bedeckt und abgebrannt. Die Asche düngte den Boden, der dann wieder einige Jahre ertragreich war.

 

Wie in Arnbach, Dennach und Neuenbürg übte die Pforzheimer Schmuckindustrie einen großen Sog aus. Viele fuhren allmorgendlich mit dem Zug in die Stadt zu ihren Arbeitsplätzen. In Neuenbürg bot die Sensenfabrik vielen Männern Arbeit. Im 20. Jahrhundert nahm die Landwirtschaft stetig ab, heute gibt es keinen Bauernhof mehr in Waldrennach. Dafür genießen die Einwohner neu Zugezogene ihre nebelfreie Höhenlage und die gute Luft. Diese Vorzüge schätzten auch Erholungsuchende, immerhin konnten in den 1970er und 1980er Jahren jährlich etwa 16000 Übernachtungen gezählt werden.